Mittwoch, 16. September 2020

[Rezension] Meine dunkle Vanessa

                                             

  • Originaltitel : My Dark Vanessa
  • Verlag : C. Bertelsmann Verlag (17. August 2020)
  • ISBN-10 : 3570104273
  • ISBN-13 : 978-3570104279
  • Link zum C.Bertelsmann-Verlag [*KLICK*] u. amazon [*klick*] u. Thalia [*klick*]

 

TRIGGERWARNUNG

Was mit einer kleinen Schwärmerei beginnt, endet in einem ausweglosen Missbrauch.

 "Während er vor mir kniet, legt er mir den Kopf auf den Schoß und sagt: 

>>Ich werde dich ruinieren.<<" [MDV, S 102]

Die Geschichte um den Missbrauch vom 42 Jahre alten Lehrer an die 15jährige Schülerin weckte sofort mein Interesse. Dies lag nicht nur an der Thematik, sondern an den zahlreichen begeisterten Kritiken, in denen man die Autorin für ihren grandiosen Schreibstil und dem Mitgefühl gegenüber diesen Opfern lobte.

Vanessa ist ein ganz besonderer Mensch. Durch ihre Leidenschaft zur Poesie fühlt sie sich nicht zu den Jugendlichen aus ihrem Alter dazugehörend. Trotz allem weisen der Streit mit ihrer Freundin Jenny und die intensive Bindung zu ihren Eltern auf das Verhalten einer typischen Teenagerin hin. Durch ein Stipendium schafft sie es auf eine private Schule, in der sie auf ihren Literaturlehrer trifft, dem Vanessas Talent zum Dichten sofort ins Auge fällt.   

In der Schule beginnt ihr Alltag wie jeder andere, aber als ihr Literaturlehrer großes Interesse an ihren Gedichten zeigt, fühlt sie sich geschmeichelt und möchte ihm weitere vorstellen. So kommt es dazu, dass sie immer mehr Zeit mit ihm verbringt.

Mit kleinen Schmeicheleien genießt Vanessa die Nähe zu Mr. Strane, bis dieser ihre Naivität schamlos ausnutzt und sie so lange beeinflusst, bis sie geradezu abhängig von ihm wird. Diese Manipulation ist nicht von kurzer Dauer, denn es prägt sie ihr Leben lang.

Vanessa war mir vom ersten Moment an sehr sympathisch. Durch die Ich-Perspektive konnte ich mich sehr gut in sie hineinversetzen und alles nachvollziehen.

Als Leser wird man ohne lange Umschweife mit Vanessa Wye vertraut gemacht. Die Handlung wird in zwei Zeitebenen aus der Gegenwart erzählt: Zum einem befindet man sich im Jahr 2000, in der Vanessa 15 ist, und zum anderen 2017, in der die 32jährige mit den Folgen des Missbrauchs zu kämpfen hat. Aber es sind nicht nur die Folgen, sondern die viralen Vorwürfe gegen Mr. Strane, der an ihrer Schule weitere Mädchen missbraucht haben soll.

Als junges Mädchen hätte ich sie gerne geschüttelt, aber man darf nie vergessen, dass Mr. Strane das wahre Monster ist, welches genau wusste, wie er auf sie einreden kann.

 

Mr. Strane war ein großartig ausgebauter Charakter. Man verfolgt langsam seine Entwicklung vom schamhaften strengen Lehrer bis zum 59 Jahre alten Mann, der stets einen Ausweg für seine Taten fand, damit er sich keine Vorwürfe machen muss. Angefangen damit, dass Vanessas schönen Gedichte mit dem Buch „Lolitat“ von Vladimir Nabokov als Geschenk von Mr. Strane enden. Von Vanessas Unschuld und ihrem Talent fühlt er sich angezogen, weshalb er oft ihre Nähe sucht und mit unangebrachten Komplimenten Vanessa in Verlegenheit bringt.

Er ist ein rücksichtsloser Mensch, der seine Neigung über das Leben von Vanessa stellt, denn er merkt, wie sehr sie sich vermehrt zurückzieht und die Beziehung zu ihren Eltern in die Brüche geht. Gleichzeitig hofft er immer wieder auf Verständnis. Als sich dann weitere Mädchen melden, versucht er weiter auf Vanessa einzureden.

 

Ich kann das Buch nur als Meisterwerk bezeichnen, denn es hat mich sowohl angewidert als auch fasziniert. Es fällt mir einfach schwer meine Gefühle in Worte zu fassen, aber es ist wichtig über solche Bücher zu sprechen. Die Einbringung von „Lolita“ und vielen anderen Gedichten war einfach großartig, denn es hat bewiesen, wie Mr. Strane seine Leidenschaft zu Minderjährigen ohne Worte ausdrückte.

 

Ganz besonders war Schreibstil, denn die Autorin verzichtete auf Details vom Missbrauch, sondern legte den  Fokus auf die Manipulation und die emotionale Abhängigkeit. Gleichzeitig löste sie bei der Beschreibung von Berührungen und Blicken in mir keinen Ekel aus. Während des Lesens hatte ich jede Szene klar vor Augen. Ich habe den Charakteren alles abgenommen, denn alle Handlungen wurden klar verdeutlicht, so dass man direkt im Geschehen war.

Die Protagonisten wurden bis ins kleinste Detail sehr gut ausgearbeitet, wodurch keine Kritik wegen ihres Handelns auftreten könnte. Ich befand mich bezüglich Mr. Strane in Zwiespalt, da die Autorin seine Beweggründe und Gefühle glaubwürdig darstellte.

                                                Fazit

Es ist kein gewöhnliches Werk, sondern soll dem Leser die Augen öffnen. Bis heute hat sich die Geschichte um den Missbrauch vom Lehrer an seine Schülerin in mein Gehirn eingeprägt, weshalb es lange in meinem Gedächtnis bleibt. Das Schicksal von Vanessa hat mich bis ins Mark erschüttert.

Trotz allem möchte ich zukünftige Leser warnen: Das Buch basiert nicht nach einer wahren Begebenheit, dennoch beschreibt die Autorin ein wichtiges Thema, welches Triggern kann! Daher bitte Vorsichtig sein.

                                          Die Autorin        © Elena Seibert     Kate Elizabeth Russell

 Kate Elizabeth Russell wurde in Maine geboren und hat an der University of Kansas promoviert. Sie schreibt für verschiedene Magazine, und eine ihrer Erzählungen wurde für den renommierten Pushcart Preis nominiert. Ihr Debütroman »Meine dunkle Vanessa« stieg direkt nach Erscheinen in die Top Ten der New-York-Times-Bestsellerliste ein und wird von Kritikern wie Leserinnen heiß diskutiert. Das Buch erscheint in rund 25 Ländern. Kate Elizabeth Russell lebt in Madison, Wisconsin.

 

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Vielen Dank an den C.Bertelsmann -Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars

 

Montag, 27. Juli 2020

[Rezension] In deiner Schuld


 


  • Originaltitel: Take me in
  • Taschenbuch: 432 Seiten
  • Verlag: Penguin Verlag (9. Juni 2020)
  • ISBN-10: 3328104828
  • ISBN-13: 978-3328104827
  • Link zum Penguin Verlag [*KLICK*] u. amazon [*klick*] u. Thalia [*klick*]

 Klappentext
  Ein Strandurlaub sollte ihre Ehe retten. Doch der kleine Josh kam den Fluten zu nah. Nur für Sekunden hatten Tessa und Marcus ihren Sohn aus den Augen gelassen - dafür werden sie teuer bezahlen ... Denn in diesem einen Moment der Unaufmerksamkeit sprang ein Fremder ein und rettete ihn vor dem Ertrinken. Und jetzt ist dieser Mann in ihrem Leben. Tessa und Marcus wissen: Sie schulden ihm viel. Doch wieder zu Hause in London entdeckt Tessa ihn auf den Straßen, die sie entlanggeht. Er taucht in dem Büro auf, in dem Marcus arbeitet. Er klopft an ihre Haustür ... Und langsam beschleicht die beiden das Gefühl, dass er mehr von ihnen will, als sie zu geben bereit sind: ihre Freiheit, ihre dunkelsten Geheimnisse. Und vielleicht sogar ihr Leben?

Kritik
Der Titel war der Grund, warum ich das Buch lesen musste, ohne mir den Klappentext durchgelesen zu haben. Ich hoffte, dass meine Erwartungen nicht enttäuscht werden, doch leider weiß ich nun im Anschluss gar nicht, was ich über das Buch denken soll. Es gab so viele Höhen und Tiefen, dass ich über die Punktezahl lange nachdenken musste.

Kurz zum Inhalt: Wir lernen die Familie Nichelson kennen, die bei einem Urlaub am Strand ihren kleinen Sohn um ein Haar verloren hätten. Doch sie haben Glück im Unglück, denn der kleine Josh wird von einem Fremden gerettet. Nun steht das Paar in der Schuld des Fremden, jedoch haben sie sich nicht dabei gedacht, dass er sie bis nach Hause verfolgen und terrorisieren könnte…

Man steigt sehr schnell in die Geschichte ein, denn der Schreibstil ist flüssig und angenehm. Durch den Ich-Perspektivwechsel und der Gegenwartserzählung aus der Sicht der Eltern, Marcus und Tessa, lernt man jeden einzelnen und ihre Gedankengänge besser kennen.
Jedoch gab es Momente, die mich fesselten und welche, die meiner Meinung nach nicht zur Handlung passten. Hierbei stellte sich mir die Frage nach dem Zusammenhang zu der Geschichte. Zudem verlief das Buch hin und wieder zog sich die Handlung, so dass ich schleppend vorankam.

Des Weiteren wurde ich mit unseren Hauptprotagonisten, Marcus und Tessa, überhaupt nicht warm. Sie waren mir zu unsympathisch, blass und stereotypisch, was dazu führte, dass ich ihr Handeln nicht ganz nachvollziehen konnte. Besonders die Mutter, die ihren kranken Sohn bei jemandem ließ, um ihrem Mann fremd zu gehen. Tessa zeigte kein einziges Mal Einsicht, im Gegenteil sie beschwerte sich ununterbrochen. Ihr Mann, Marcus, war kein schuldbewusster Vater. Er vernachlässigte nicht nur seine Familie, sondern zog geradezu Unglück an. Hier wünschte ich mehr Ausarbeitung der Charaktere.
Ein interessanter Charakter war der Fremde, der stets auftauchte und sich dabei mysteriös verhielt. Leider erfuhr ich bis zum Ende nur eine Kleinigkeit über ihn. Das, was man über ihn erfährt, hat mir die Sprache verschlagen. Vielleicht war dies die Absicht der Autorin.

Das Ende war der spannendste Teil an dem gesamten Buch, doch dieses verlief so abrupt, dass es mich mit vielen Fragezeichen zurückließ. Selbst jetzt denke ich über die Bedeutung vom Ende nach und finde keine Antwort. So würde ich sagen, dass es ein offenes Ende ist.

Fazit
Dies ist eine vielversprechende Geschichte, die einen im ersten Moment packt und wieder loslässt, so dass die Spannung nicht lange hält. Dennoch lässt es sich durch einen ganz besonderen Charakter und den flüssigen Schreibstil in einem Rutsch lesen.

 Die Autorin
Sabine Durrant lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in London, wo sie als Autorin und Journalistin arbeitet. Sie schreibt unter anderem für den Guardian, den Daily Telegraph sowie die Sunday Times und hat bereits mehrere Kinderbücher und Romane veröffentlicht, die in bis zu 15 Sprachen übersetzt wurden.

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Vielen Dank an den Penguin -Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars



Sonntag, 7. Juni 2020

[Rezension] Die Wächter


  • Originaltitel: The Guardians
  • Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (2. März 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453272218
  • ISBN-13: 978-3453272217
  • Link zum Heyne Verlag [*KLICK*] und amazon [*klick*] und thalia [*klick*]

Klappentext 
In Seabrook, Florida wird der junge Anwalt Keith Russo erschossen. Der Mörder hinterlässt keine Spuren. Es gibt keine Zeugen, keine Verdächtigen, kein Motiv. Trotzdem wird Quincy Miller verhaftet, ein junger Afroamerikaner, der früher zu den Klienten des Anwalts zählte. Miller wird zum Tode verurteilt und sitzt 22 Jahre im Gefängnis. Dann schreibt er einen Brief an die Guardian Ministries, einen Zusammenschluss von Anwälten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, unschuldig Verurteilte zu rehabilitieren. Cullen Post übernimmt seinen Fall. Er ahnt nicht, dass er sich damit in Lebensgefahr begibt.
[Klappentext/Grafik: randomhouse.de]

Kritik
Das Thema „Rassismus“ ist in Amerika sehr umstritten und beweist in aktuellen Fällen wie dem von George Floyd die Unendlichkeit des Hasses.
Genau dies thematisiert John Grisham in seinem aktuellen Justiz-Thriller. Da dies mein erster Grisham war, waren die Erwartungen umso höher.

Ein zu Unrecht beschuldigter dunkelhäutiger Mann, Quincy Miller, steht vor Gericht, weil er ein Verbrechen begangen habe. Hinzu kommt, dass die Jury aus Weißen besteht und er im Fall eines Schuldspruches das Todesurteil erhalten kann. Doch die einzige Hoffnung findet er in der Gruppe „Guardian Ministries“, denn nach seinem Brief glaubt diese an seine Unschuld. Daher schließen sich Cullen Post und seine Kollegen zusammen und tun alles in ihrer Macht stehende, um Quincy  zu rehabilitieren. So beginnt der Kampf um Leben und Tod…

Während des Lesens merkt man, dass Grisham als Anwalt praktizierte, er konnte dem Leser das Rechtsystem in Amerika sehr detailreich und authentisch vermitteln. Vieles war wahnsinnig interessant, so dass man mehr erfahren wollte. Man begleitet Cullen und seine Kollegen aus der Kanzlei auf dem Weg zur Beweisführung. Dieser hat erschreckende und emotionale Höhen und Tiefen.

Der Schreibstil war große Klasse, denn durch die Ich-Perspektive von Cullen und die Erzählung im Präsens konnte ich mich sehr gut in Cullens Sicht hineinversetzen und sein Handeln nachvollziehen. Zudem war es sehr flüssig und realistisch beschrieben, so dass man das Setting und jede Situation genau vor Augen hatte. So wurde das Buch zu einem nervenauftreibenden Leseerlebnis.
Die Protagonisten waren sehr authentisch und ich konnte gerade mit dem zu Unrecht beschuldigten mitfühlen. Es war erschreckend was ihm vorgeworfen wurde und welche Konsequenzen dies für ihn hatte, nur weil er nicht dem Menschenbild entsprach.

Fazit
Es ist ein erstklassiges Meisterwerk, welches die Lücken im amerikanischen Rechtsystem und Rassismus behandelt. Großartige Umsetzung der Grundidee mit gut ausgearbeiteten Protagonisten und einem einwandfreien Schreibstil. 
https://www.randomhouse.de/content/author/image/31282_xl.jpg
© Michael Lionstar

Der Autor
 John Grisham hat über dreißig Romane geschrieben, die ausnahmslos Bestseller sind. Zudem hat er ein Sachbuch, einen Erzählband und sieben Jugendbücher veröffentlicht. Seine Bücher wurden in mehr als vierzig Sprachen übersetzt. Er lebt in Virginia.





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Vielen Dank an den Heyne -Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars